Der Erste Wächter · Band 1

Kapitel 8

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Balura saß steif im Sattel.

Seit Stunden ritten sie nach Norden. Die Nacht lag schwer über den Feldern, und das gleichmäßige Schlagen der Hufe fraß sich in die Stille. Vor ihnen zog sich die Straße wie ein dunkles Band durch die Landschaft. Links und rechts lagen Wiesen, vereinzelte Bäume und niedrige Büsche, die im blassen Licht des Mondes kaum mehr waren als Schatten.

Neben ihm ritt Toxiral.

Der Mann saß auf seinem schwarzen Pferd, als wäre er mit dem Sattel verwachsen. Kein unnötiges Schwanken, kein müdes Sinken der Schultern, kein Zeichen davon, dass die Stunde spät war und sie seit ihrem Aufbruch kaum ein Wort gewechselt hatten.

Balura hasste es.

Er hasste diese Ruhe.

Die Pferde hatten bereits im Stall des Wirtshauses bereitgestanden. Toxiral hatte sie nicht gesucht, nicht gekauft, nicht einmal besonders betrachtet. Er war nur in den Stall gegangen, hatte auf den braunen Wallach gezeigt und gesagt: „Der ist deiner.“

Mehr nicht.

Balura hatte den Blick auf das Pferd gerichtet, dann auf Toxiral. Er hatte etwas erwidern wollen. Irgendetwas. Doch am Ende hatte er nur die Zügel genommen.

Wie ein Schüler.

Wie ein Junge, dem man sagte, wohin er zu gehen hatte.

Sein Auge schmerzte nicht mehr. Die Schwellung war verschwunden, das dumpfe Pochen ebenfalls. Toxiral hatte es mit Magie geheilt, noch bevor sie aufgebrochen waren. Ein kurzer Griff, ein kaum sichtbares Leuchten, ein kühles Ziehen unter der Haut, und der Schmerz war fort gewesen.

Das machte es schlimmer.

Balura presste die Finger fester um die Zügel.

Er hatte Heiltränke dabei. Von dem Geld seines Vaters hatte er genug gekauft, auch gegen Wunden, Fieber, Vergiftungen und Erschöpfung. Marlon hätte vermutlich gelacht, wenn er gesehen hätte, wie viele Fläschchen Balura in die vergrößerte Tasche gepackt hatte. Doch wegen eines blauen Auges hätte er keinen davon verschwendet.

Toxiral hatte es trotzdem geheilt.

Erst hatte er ihn geschlagen.

Dann hatte er ihn geheilt.

Als wäre beides Teil derselben Sache.

Balura starrte auf den dunklen Rücken seines Pferdes, auf die Mähne, die sich bei jedem Schritt leicht bewegte. In seiner Brust saß etwas Hartes. Es drückte gegen die Rippen und wurde mit jedem Hufschlag größer.

Nur noch ein paar Stunden, dann würde der Morgen wieder beginnen.

Der Himmel im Osten war noch schwarz, aber nicht mehr ganz so tief wie zuvor. Irgendwo hinter den Hügeln wartete bereits das erste Grau des Tages. Die Luft roch nach feuchter Erde, Pferdeschweiß und kaltem Gras.

Toxiral regte sich im Sattel.

Balura blickte zu ihm hinüber.

Der Mann hob den Arm und zeigte nach vorn. „Da.“

Balura folgte seinem Finger.

Zwischen den Bäumen auf der linken Seite war kaum mehr als eine Lücke zu erkennen. Ein schmaler Pfad, halb verdeckt von Gestrüpp und niedrigen Ästen. Hätte Toxiral nicht darauf gezeigt, Balura wäre daran vorbeigeritten.

„Dort werden wir den Rest der Nacht schlafen“, sagte Toxiral. „Hinter den Bäumen liegt ein Hügel.“

Balura brummte nur.

Seine Hand wanderte an seine Brust.

Unter Stoff und Leder lag Lunas Lunastern. Der Anhänger war kalt, als seine Finger ihn fanden. Für einen Moment sah er nicht mehr die Straße. Er sah Lunas Gesicht. Ihre Augen. Den Abschied. Das Lächeln, das sie ihm hatte schenken wollen, obwohl es nicht richtig halten konnte.

Seine Finger schlossen sich fester um die Kette.

Etwas Heißes stieg in ihm auf.

Nicht jetzt, dachte er.

Doch der Gedanke half nicht.

Er lenkte sein Pferd nach links. Der braune Wallach zögerte kurz, dann trat er auf den schmalen Pfad. Zweige streiften Baluras Bein. Ein Ast kratzte über seinen Ärmel. Hinter ihm schnaubte Toxirals schwarzes Pferd leise.

Toxiral wusste, wo er hinmusste.

Natürlich wusste er es.

Balura zog die Schultern an und duckte sich unter einem Ast hindurch. Der Weg wurde enger. Die Straße verschwand hinter ihnen, erst als dunkler Streifen zwischen den Bäumen, dann vollständig. Nur das ferne Rascheln des Windes blieb.

Nach einigen Schritten stieg Toxiral ab.

Balura tat es ihm gleich. Seine Beine fühlten sich nach dem langen Ritt steif an. Für einen Augenblick hielt er sich am Sattel fest, bis der Boden unter seinen Stiefeln wieder fest genug wirkte.

Er nahm die Zügel seines Pferdes und folgte Toxiral.

Der Mann ging voraus, ohne sich umzusehen. Er führte sein schwarzes Pferd durch das Gestrüpp, als wäre er diesen Weg schon hundertmal gegangen. Balura dagegen musste sich mit dem braunen Wallach durch dichtes Buschwerk drängen. Äste hakten sich in seiner Kleidung fest. Dornen zogen an seinem Mantel. Einmal riss ihm ein Zweig fast die Kapuze vom Kopf.

Balura biss die Zähne zusammen.

Nach vielleicht dreihundert Metern begann der Hügel.

Von der Straße aus hätte man ihn kaum gesehen. Die Bäume standen dicht davor, und das Unterholz verdeckte den Anstieg fast vollständig. Erst jetzt erkannte Balura, warum Toxiral diesen Ort gewählt hatte. Wer unten vorbeiritt, würde sie nicht sehen. Nicht einmal das Licht eines kleinen Feuers hätte man von der Straße aus bemerkt, wenn man es klug abschirmte.

Oben angekommen, öffnete sich der Platz ein wenig.

Es war keine richtige Lichtung, eher eine flache Stelle zwischen wenigen alten Bäumen. Der Boden war uneben, aber trocken. Zwei Stämme waren schräg aus der Erde gewachsen und ineinander verkeilt, als hätte der Wind sie vor Jahren gebogen und dann vergessen. Zusammen mit einem dichten Strauch dahinter bildeten sie eine Art natürliche Wand.

Toxiral führte sein schwarzes Pferd dorthin und band es an einen Baum.

Balura blieb einen Moment stehen.

Sein Atem ging schwerer, als er wollte. Nicht viel. Nur genug, dass es ihn ärgerte.

Toxiral warf ihm keinen Blick zu.

Das ärgerte ihn noch mehr.

Balura führte den braunen Wallach zu einem anderen Baum und band ihn fest. Seine Finger arbeiteten an dem Knoten. Einmal rutschte ihm das Seil aus der Hand. Er griff erneut danach, fester diesmal, und zog den Knoten zu, bis seine Fingerknöchel hell wurden.

„Und jetzt leg dich hin“, sagte Toxiral.

Balura hielt inne.

Toxiral zog bereits eine Decke von seinem Pferd. „Beim Frühstück besprechen wir, wie wir weiter vorgehen.“

Der Satz war ruhig gesprochen.

Zu ruhig.

Balura richtete sich langsam auf.

Leg dich hin.

Nicht: Ruh dich aus.

Nicht: Wir schlafen hier.

Leg dich hin.

Als wäre er ein Diener. Als wäre er ein Kind. Als hätte Toxiral das Recht, ihm Befehle zu geben, seit er ihm einmal ins Gesicht geschlagen hatte.

Balura spürte, wie sein Kiefer hart wurde.

„Nein“, sagte er.

Toxiral drehte den Kopf.

Im Dunkel war sein Gesicht kaum zu erkennen, doch seine Augen lagen wach auf Balura. Nicht überrascht. Nicht wütend. Eher so, als hätte er genau damit gerechnet.

Balura löste den Gurt seiner Tasche und stellte sie neben den Baum. Dann nahm er sein Schwert ab und legte es daneben.

Das Metall berührte leise den Boden.

„Unser Kampf ist noch nicht beendet“, sagte Balura.

Seine Stimme klang rau. Tiefer, als er erwartet hatte.

Toxiral sah ihn an.

Balura trat einen Schritt vor. „Und hier haben wir Ruhe.“

Einen Moment lang sagte Toxiral nichts.

Dann atmete er langsam aus. „Geht das schon wieder los?“

Baluras Hände ballten sich.

Toxiral warf die Decke achtlos auf den Boden und drehte sich ganz zu ihm.

„Na schön“, knurrte er. „Wenn du danach Ruhe gibst.“

Balura hatte genau darauf gewartet.

Er setzte sich sofort in Bewegung.

Drei Meter trennten sie. Vielleicht etwas weniger. Genug, um ihn zu erreichen, bevor Toxiral richtig reagieren konnte. Balura wusste, dass er ihm unterlegen war. Natürlich wusste er es. Sein Körper wusste es noch besser als sein Kopf. Sein Auge war nur deshalb nicht mehr blau, weil Toxiral es gewollt hatte.

Aber dieses Wissen half nicht.

Nicht gegen das Brennen unter seiner Haut.

Nicht gegen den Druck in seiner Brust.

Nicht gegen das Bild von Toxiral, wie er auf der Straße vor allen gestanden hatte, ruhig, überlegen, als wäre Balura nichts weiter als ein ungezogener Junge.

Balura stieß sich vom Boden ab.

Für einen kurzen Augenblick war alles klar.

Der kalte Wind an seinem Gesicht. Der harte Boden unter seinem letzten Schritt. Toxirals Kopf vor ihm. Nur ein Treffer. Ein einziger Treffer. Mehr brauchte er nicht. Nicht, um zu gewinnen. Nur, damit Toxiral es spürte.

Balura riss das Bein hoch.

Sein Fuß zielte auf Toxirals Kopf.

Toxiral duckte sich.

Der Tritt schnitt durch leere Luft.

Baluras Magen zog sich zusammen.

Im nächsten Atemzug schloss sich eine Hand um sein Bein.

Der Griff war fest. Viel zu fest.

Balura riss die Augen auf.

Dann verlor er den Boden.

Toxiral zog an seinem Bein, drehte ihn, riss seinen Körper aus dem Gleichgewicht. Für einen winzigen Moment sah er den Himmel. Dunkle Äste. Ein paar blasse Sterne. Dann kam der Aufprall.

Seine Schulter schlug zuerst auf.

Schmerz fuhr durch ihn, hell und hart. Die Luft wurde ihm aus der Brust gepresst. Erde drückte gegen seine Wange. Sein Bein pochte dort, wo Toxirals Hand ihn gepackt hatte.

Balura lag still.

Nicht, weil er wollte.

Weil sein Körper für einen Augenblick vergessen hatte, wie man sich bewegte.

Über ihm knirschte ein Schritt.

„Gibst du auf?“, fragte Toxiral.

Wieder dieser Ton.

Nicht laut. Nicht wütend.

Fast spöttisch.

Balura krümmte die Finger in die Erde.

Seine Schulter brannte. In seinem Bein zog ein dumpfer Schmerz bis hinauf zur Hüfte. Er schmeckte Erde auf der Zunge und etwas Bitteres dahinter.

Schon wieder.

Schon wieder lag er unten.

Schon wieder hatte Toxiral ihn behandelt, als wäre seine Wut nicht mehr als ein Windstoß gegen eine Mauer.

„Nein“, presste Balura hervor.

Toxiral sagte nichts.

Balura stemmte eine Hand in den Boden. Sein Arm zitterte. Er biss die Zähne zusammen und zwang sich hoch. Die Schulter schmerzte sofort stärker. Ein Stich fuhr ihm bis in den Nacken.

Er blieb trotzdem nicht liegen.

Der Schmerz machte ihn nicht ruhiger.

Er machte alles schlimmer.

Er machte die Nacht enger. Den Boden härter. Toxirals Gestalt größer. Balura atmete durch die Nase ein, aber der Atem kam zu schnell wieder heraus.

Seine Sicht verschwamm.

Nicht nur wegen des Schmerzes.

Die Wut war plötzlich nicht mehr sauber. Sie hatte keine klare Richtung mehr. Sie war nicht mehr nur Toxiral. Sie war der Palast. Die Flure. Die Blicke. Die Erwartungen. Die Wachen, die sich verbeugten. Die Lehrer, die Geduld predigten. Die Magier, die Luna bewunderten und bei ihm schwiegen. Der König, der stark bleiben musste. Oynaras Hände auf seinem Gesicht. Marlon, der ihm Mut machen wollte. Luna, die zurückblieb.

Und jetzt dieser Auftrag.

Diese Straße.

Dieser Mann.

Balura stand schwankend auf.

Tränen liefen über sein Gesicht, heißer als der Wind.

„Wofür?“, rief er.

Das Wort riss aus ihm heraus, bevor er es halten konnte.

Toxiral hob leicht den Kopf.

Balura wusste selbst nicht, wen er meinte.

Toxiral.

Seinen Vater.

Das Reich.

Die Götter.

Sich selbst.

„Wofür?“, schrie er noch einmal, und diesmal brach seine Stimme am Ende.

Seine Hände zitterten. Er hasste das Zittern. Er hasste die Tränen. Er hasste, dass Toxiral sie sah.

Also rannte er los.

Ein rauer Laut stieg aus seiner Brust. Kein Wort mehr. Nur noch etwas Rohes. Etwas, das endlich hinauswollte. Balura stürmte auf Toxiral zu, die Fäuste geballt, die Schulter brennend, das Bein schwer, aber er spürte es kaum noch.

Er wollte ihm wehtun.

Nur einmal.

Er holte aus und legte alles in den Schlag, was noch in ihm war.

Toxiral bewegte sich erst im letzten Moment.

Nur eine halbe Drehung.

Baluras Faust raste an ihm vorbei.

Für den Bruchteil eines Augenblicks sah Balura Toxirals Gesicht. Da war kein Spott mehr. Kein Ärger. Nur ein kurzes, beinahe zufriedenes Aufleuchten.

Dann verlor Balura den Halt.

Etwas war an seinem Bein. Ein Fuß. Eine Bewegung. Er wusste es nicht. Der Boden kippte. Sein Körper stolperte nach vorn.

Noch bevor er fallen konnte, traf ihn Toxirals Schlag im Rücken.

Die Wucht fuhr durch ihn wie ein Hammer.

Balura wurde nach unten gerissen und schlug hart auf den Boden. Schmerz breitete sich von seinem Rücken aus, tief und dumpf, bis in die Rippen. Für einen Moment blieb ihm jeder Laut im Hals stecken.

Er wollte schreien.

Er ließ es nicht zu.

Seine Zähne gruben sich ineinander. Seine Hände krallten sich in Gras und Erde. Sein ganzer Körper spannte sich an, als könnte er den Schmerz dadurch zurückdrängen.

Es gelang ihm nicht.

Ein Zittern lief durch seine Arme.

Dann brach der Laut aus ihm heraus.

„Aahhh!“

Der Schrei riss durch die Nacht, prallte gegen die Bäume und verlor sich zwischen den dunklen Stämmen.

Balura blieb liegen.

Die Erde war kalt unter seiner Wange.

Über ihm rauschten die Blätter.

Balura hörte, wie Toxiral sich hinter ihm bewegte.

Er drehte sich nicht um.

Er konnte es nicht.

Sein Rücken brannte. Jeder Atemzug zog schmerzhaft durch seine Rippen, und seine Schulter pochte, als hätte jemand glühendes Eisen daruntergeschoben. Er lag auf der Seite, die Finger noch immer in die Erde gekrallt, und versuchte, den nächsten Laut hinunterzuschlucken.

Hinter ihm raschelte Stoff.

Dann Leder.

Toxiral ging zu seinem Gepäck.

Balura hörte, wie er eine Decke ausrollte. Wie ein Riemen geöffnet wurde. Wie etwas Schweres auf den Boden fiel. Ganz ruhig. Ganz gleichmäßig. Als wäre nichts geschehen.

Als hätte er nicht gerade einen Prinzen zweimal in den Dreck geworfen.

Baluras Mund verzog sich.

Er wollte aufstehen. Er wollte noch einmal losrennen. Er wollte Toxiral anschreien, ihn verfluchen, ihn fragen, wer er glaubte zu sein. Doch sein Körper gehorchte ihm nicht. Nicht richtig. Die Kraft war aus seinen Armen verschwunden, und jeder Versuch, sich zu bewegen, ließ den Schmerz neu durch ihn fahren.

Etwas Nasses lief über seine Wange.

Balura presste die Augen zusammen.

Nicht.

Nicht jetzt.

Doch es kam trotzdem.

Er weinte leise. Nicht laut. Nicht so, dass es wie ein Schluchzen klang. Eher wie ein gebrochener Atem, der nicht mehr ganz in seiner Brust bleiben konnte.

Weil er Toxiral nicht hatte verletzen können.

Weil er allein war.

Weil Luna fort war.

Weil sein Zuhause hinter ihm lag und vor ihm nur dieser Mann stand, der ihn nicht schonte, nicht tröstete und nicht einmal so tat, als hätte Baluras Schmerz irgendeinen Wert.

Toxiral sagte lange nichts.

Dann hörte Balura seine Stimme.

„Du hast heute viel gelernt.“

Balura öffnete die Augen.

Vor ihm lag Erde. Gras. Ein kleiner Stein dicht vor seinem Gesicht. Er starrte darauf, als könnte er darin eine Antwort finden.

Toxiral arbeitete weiter an seinem Lager. Seine Stimme blieb ruhig.

„Du bist ab jetzt auf dich gestellt.“

Ein Riemen wurde festgezogen.

„Mach dir eines klar, Junge. Ich bin nicht hier, um dir ständig das Leben zu retten.“

Balura biss die Zähne zusammen.

Das Wort Junge traf ihn fast härter als der Schlag.

Toxiral ging zu den Pferden. Balura hörte das leise Schnauben des schwarzen Tieres, dann das Klirren einer Schnalle. Offenbar prüfte Toxiral die Riemen, als hätte er alle Zeit der Welt.

„Da draußen“, sagte er, „fragt niemand danach, ob du müde bist. Ob du Schmerzen hast. Ob du Heimweh hast. Ob du Prinz bist.“

Baluras Finger zuckten im Gras.

Toxiral kam zurück.

Ein Beutel raschelte. Dann ein Messer. Stoff wurde geöffnet. Der Geruch von Brot und altem Käse mischte sich mit feuchter Erde und Pferdeschweiß.

Toxiral setzte sich.

Balura hörte, wie er abbiss.

Kaute.

Schluckte.

Diese Ruhe machte ihn wahnsinnig.

Balura wollte etwas sagen. Irgendetwas. Doch seine Kehle war eng, und der Schmerz saß noch immer wie ein Stein zwischen seinen Rippen. Also schwieg er.

Toxiral aß weiter.

„Das Training wird hart“, sagte er nach einer Weile. „Härter, als du glaubst.“

Balura atmete zitternd ein.

„Du wirst Schmerzen haben. Oft.“

Wieder ein Biss.

„Du wirst müde sein. Verängstigt. Wütend. Gedemütigt. Du wirst mich hassen. Wahrscheinlich jeden Tag ein bisschen mehr.“

Toxiral machte eine kurze Pause.

„Gut.“

Balura blinzelte.

„Angst hält wach“, sagte Toxiral. „Wut bringt dich auf die Beine. Aber beides macht dich dumm, wenn du nicht lernst, es zu halten.“

Balura schloss die Hand fester um Gras und Erde.

Toxiral stand auf. Der Proviantbeutel wurde wieder geschlossen.

„Wenn du glaubst, dass du das nicht schaffst“, sagte er, „dann geh zurück.“

Balura lag still.

Toxiral ging zu seinem Lager. Stoff raschelte, dann senkte sich sein Gewicht auf die Decke.

„Aber wenn du bleibst“, sagte er leiser, „dann wirst du deine Freiheit finden..“

Balura hob den Kopf kaum merklich.

Der Schmerz stach sofort durch seine Schulter, doch diesmal ließ er ihn nicht wieder sinken.

Toxiral lag bereits mit dem Rücken zu ihm.

„Lerne zu sehen.“

Dann schwieg er.

Balura blieb im Gras liegen.

Freiheit.

Die Nacht rauschte über ihm. Die Bäume bewegten sich leise im Wind. Irgendwo unten, hinter dem Hügel, lag die Straße nach Norden. Dahinter Atäerya. Der Palast. Seine Mutter. Marlon. Elina.

Luna.

Seine Finger suchten nach dem Lunastern.

Er fand ihn unter seinem Hemd, kalt und hart gegen seiner Brust.