Der Erste Wächter · Band 1

Prolog

Aus den öffentlichen Aufzeichnungen der Bibliothek von Atäerya.

Aus den öffentlichen Aufzeichnungen der Bibliothek von Atäerya:

Einst gab es Drachen überall auf der Welt.

Sie lebten nicht verborgen, wie es heute in Liedern und alten Geschichten erzählt wird. Sie zogen über die Gebirge, ruhten in tiefen Tälern, wachten an den Küsten der Meere und nisteten an Orten, die kein Mensch je mit eigenen Augen gesehen hat. Bis in die fernsten Winkel der Erde waren sie verstreut, und wo ihre Schatten über das Land glitten, hoben die Völker ehrfürchtig den Blick.

Sie waren nicht nur Wesen aus Feuer, Schuppen und uralter Kraft. Sie waren Bewahrer. Hüter von Geheimnissen, die älter waren als die ersten Reiche. Sie berieten Könige, kannten die Sprache der Sterne und erinnerten sich an Zeiten, die selbst den ältesten Chronisten verloren gingen.

Menschen, Zwerge, Elfen, Feen und Orks lebten in jenen Tagen nicht ohne Streit, doch sie kannten noch den Wert des Gleichgewichts. Die Drachen standen zwischen den Völkern wie gewaltige Zeugen einer Ordnung, die größer war als jedes einzelne Reich.

Dann kam der Schrecken.

Niemand weiß mehr, wann sein Name zum ersten Mal geflüstert wurde. Manche sagen, er sei aus der Tiefe der Welt gestiegen. Andere behaupten, er sei aus einem alten Zorn geboren worden, den selbst die Drachen nicht mehr bändigen konnten. Doch was auch immer die Wahrheit war: Von dem Tag an, da sein Schatten über den Kontinent fiel, endete das goldene Zeitalter.

Er brachte Blut und Krieg über die Länder. Reiche brannten. Bündnisse zerbrachen. Brüder wandten sich gegen Brüder, Könige gegen ihre eigenen Völker, und dort, wo einst Drachen den Himmel erfüllten, blieb nur Rauch zurück.

Als der Schrecken schließlich fiel, war die Welt nicht mehr dieselbe.

Und die Drachen, sie verschwanden vom Antlitz der Erde.

So steht es geschrieben.

Und doch gibt es alte Stimmen, die flüstern, dass nichts, was so mächtig war, jemals ganz vergeht.